Antisemitische Einstellungen sind unter Migranten aus dem Nahen Osten, wie auch aus einigen Ländern Osteuropas deutlich weiter verbreitet als bei Menschen, die hier aufgewachsen sind. Das ist wenig erstaunlich, da Regierungen und politische Parteien in diesen Ländern antisemitische Verschwörungstheorien verbreiten, sie teilweise sogar in der Schule gelehrt werden. Über muttersprachliche Medien sind auch Menschen mit Migrationshintergrund solchen Welterklärungen ausgesetzt.

Verschwörungstheorien (ob antisemitisch oder nicht) halten die Menschen vom Handeln zur Verbesserung ihrer Verhältnisse ab: Alles Übel geht von den Verschwörern aus; man kann nichts dagegen tun, außer die Verschwörer zu bekämpfen. Daher untergraben Verschwörungstheorien unsere Demokratie – umgekehrt stützen sie im Nahen Osten und anderswo Diktaturen.

Man kann nicht gegen Verschwörungstheorien andiskutieren: Denn jede Kritik daran, überzeugt den Gläubigen nur noch mehr. Schließlich beinhaltet jede funktionierende Verschwörungstheorie, dass die Verschwörer Medien, Regierungen etc. manipulieren, um die Wahrheit zu verschleiern. Derjenige, der die „Theorie“ in Frage stellt, ist somit nur Opfer und Beweis dieser Manipulation.

Doch niemand will Verschwörungstheoretiker sein. Menschen, die glauben, die Juden wollten die Welt regieren, halten Chemtrails und Außerirdische für spinnerte Ideen.

Darum setzen wir in unserem Workshop nicht beim Antisemitismus an, sondern analysieren in Spielen und Aufstellungen die unterschiedlichsten Verschwörungstheorien, fragen uns, was sie bewirken und wem sie nützen. Kernstück ist dabei die hiesige Vereinfachung des Syrienkonflikts, die viele Menschen aus der Region ärgert.

Wir diskutieren, wie man reale Undurchsichtigkeiten und Verstrickungen (NSU-Komplex, False-Flag-Operationen) von Verschwörungstheorien unterscheiden kann. Dabei decken wir den Aufbau und die Elemente von Verschwörungstheorien auf und entwerfen daraus eine perfekte Verschwörungstheorie, die auch das Gerüst der erfolgreichsten der Geschichte ist: Die Protokolle der Weisen von Zion werden auch heute noch in hoher Auflage unter anderem in arabischen Ländern verkauft. Die Workshop-Teilnehmer/innen erkennen mühelos die Parallelität.